Imageschädigung durch falschen Webhoster. Warum Kultureinrichtungen und NPOs ihre Websites nicht von 1und1 hosten lassen sollten.

28. Mai 2010

Gleich vorab: In den letzten Jahren habe ich zwei oder drei duztend Webprojekte für Kunden abgewickelt, die 1und1 als Provider nutzen und war eigentlich immer sehr zufrieden: Preis, Leistung und letztendlich auch der Service stimmt soweit. Auch meine eigenen Projekte sind mehr oder weniger zufällig bei 1und1 gelandet, da mein ursprünglicher Provider mit dem großen Webhoster aus Montabaur fusioniert. Auch hier gab es kein Grund zur Klage – bis Anfang dieser Woche.

Aufmerksam wurde ich durch einen Anruf von einem Kollegen, der mich leicht empört fragte, warum ich auf kulturgezwitscher.de nun doch Werbung schalte obwohl ich es ganz groß als „nichtkommerzielles“ Projekt betitele. Ich war zutiefst erstaunt und sagte, dass ich keinerlei Werbung eingerichtet hätte und fragte, wo er das denn gesehen habe. Er sagte mir, er wollte sich nochmals die Auswertung meine Umfrage ansehen, hatte aber meine Mail nicht mehr gefunden, erinnerte sich aber noch so halb an die URL und hatte so in seinen Browser „www.kulturgezwitscher.de/resultate/“ eingetippt.

Er hatte sich geirrt: die korrekte URL heißt „www.kulturgezwitscher.de/ergebnisse/“ – aber für solche Fälle sind Webserver so konfiguriert, dass diese eine Fehlerseite (die sogenannte 404-Seite) ausgeben mit der kurzen Info, dass dies nicht die richtige URL ist. Und hier hat sich nun 1und1 etwas erlaubt, was bei vielen anderen Websites zwar üblich ist, aber m. E. bei kostenpflichtigen Webspace (in meinem Fall ein monatlicher dreistelliger Betrag) eine – ich kann es s nicht anders sagen –große Frechheit ist. Neben der kaum lesbaren Fehlermeldung nutzt 1und1 diese Fehlerseiten, um kontextsensitive Werbung einzublenden:

Es ist m. E. mehrere Gründe, warum dies fatal ist:

(1) Wie an dem Screenshot zu erkennen bleib in der Adressleiste weiterhin die URL meiner Webpräsenz stehen. Da ich (laut Impressum und Vertrag) für den Inhalt dieser URL verantwortlich bin muss natürlich jeder Besucher annehmen, dass diese Werbeschaltung durch mich veranlasst wurde. Würde 1und1 bei solchen Errorseiten auf eine Website mit ihrer URL und entsprechender Info weiterleiten, fände ich das zwar auch nicht ok, aber es wäre gerade noch akzeptable. Werbung unter „fremden Namen“ geht jedoch m. E. nicht. Ich habe übrigens nachgefragt, ob ich die Werbeeinnahmen erhalten, was natürlich verneint wurde – diese streicht 1und1 ein.

(2) Manche meiner Kunden im öffentlichen Kultur- und Bildungsbereich, die 1und1 nutzen, ist Werbung auf Ihrer Website untersagt. Diese bekommen nun ein echtes Problem, da solche Fehlermeldung nicht nur durch Tippfehler, sondern auch durch kleine Unaufmerksamkeit des Webdesigners entstehen können („Broken Links“). So kann ein Link, dass eigentlich auf die Öffnungszeiten führen sollte, stattdessen eine Werbeseite öffnen.

(3) Ich habe auch gleich bei einigen meiner Kunden, die eher im „kommerziellen“ Kulturbereich tätig sind und ihre Website bei 1und1 hosten lassen getestet – mit fatalen Ergebnissen. Durch die Kontextsensitive Werbung wird in einem solchen Fall auf der Website tatsächlich die Werbung von Konkurrenten eingeblendet! Als kleines Beispiel anhand meiner Website Frank-IT-Beratung.de: Man könnte sich vorstellen, dass ich vor einiger Zeit an meine Kunden ein Angebot verschickt habe mit dem Link auf weitere Infos:

http://www.frank-it-beratung.de/angebote.html

Nach ein paar Wochen läuft dann das Angebot aus und ich lösche die Seite „angebote.html“ (Was man eigentlich nie tun sollte, aber denkbar wäre es). Wenn nach dieser Löschung einer meiner Kunden (z. B. über seine Favoriten oder weil der Werbemailing lange liegen blieb) doch diese URL aufruft, macht 1und1 doch glatt Werbung unter meiner URL für meine Konkurrenz! – siehe Screenshot:

Wie hat 1und1 auf mein Anliegen reagiert: Sie erklärten mir, dass ich diese Funktion abstellen können (was mir bekannt war), was jedoch mit Arbeit verbunden ist, die ich zu erledigen habe … Aber auf meine Anfrage, wie es kommen konnte, dass diese Funktion ungefragt aktiviert wurde, kam keine Reaktion.

Für mich ein großer Vertrauensverlust und ich werde deshalb zukünftig alle meinen Kunden empfehlen, sich baldmöglichst einen anderen Provider zu suchen. Wie beschrieben besteht die Gefahr des Imageverlust, ja sogar der Verlust an Kunden, wenn man seine Website in die gierigen Hände von 1und1 gibt.

Update vom 29. Mai 2010: Inzwischen hat 1und1 sich immerhin bereit erklärt, für den größten Teil meiner Domains bzw. die meiner Kunden die entsprechenden Änderungsarbeiten kostenlos durch einen ihrer Mitarbeiter durchführen zu lassen. Seit Freitagabend ist deshalb die „Zwangswerbung“ für Kulturgezwitscher.de und andere meiner Projekte wieder deaktiviert. Trotzdem habe ich noch einige Domains, bei denen weiterhin „Zwangswerbung“ geschalten wird – hier sollte ich die Änderungsarbeiten selbst erledigen, worauf ich weder Lust noch Zeit habe. Zudem ist die Begründung ärgerlich: anstatt sich für einen Fehler zu entschuldigen schreibt 1und1, diese „aus Kulanz“ (!) kostenlos angepasst worden.

Update vom 31. Mai 2010: Nach meiner erneuten Mail von Samstag hat nun 1und1 auch auf den restlichen meiner Domains die „Zwangswerbung“ entfernt. Eine Entschuldigung oder sonstige Stellungnahme steht noch aus.

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