Kulturgezwitscher 2010/2011. Twitter-Nutzung im Kunst- und Kulturbetrieb – Daten der Erhebung 2010/2011

22. September 2012

In Deutschland nutzten im Jahr 2010  ca. 3% alle Internetnutzer (und damit ca. 1,65 Millionen Deutsche) gelegentlich bis selten Twitter, ca. 1% gaben an, Twitter mindestens wöchentlich zu nutzen (vgl. ARD/ZDF-Onlinestudie), jedoch ist auch diese Tendenz steigend. Im Kunst- und Kulturbetrieb verbreitet sich Twitter ebenso, selbst in Deutschland gibt es nicht wenige Theater, Archive und Museen, die Tweets im Rahmen von Kunstvermittlung und Kulturmarketing einsetzen. Aber warum? Und wozu? Dieser Frage wollte eine erstmals 2009 und erneut  2010/2011 durchgeführte Befragung von im Kulturbetrieb tätigen Twitter-Usern nachgehen.

Bei der letzten Befragung von November 2010 bis Januar 2011 wurden über 3000 bei der Community „Kulturgezwitscher.de“ registrierte Twitter-User („Followers“) durch das twitter­eigene Mailsystem („direct message“) angeschrieben und gebeten, an der Umfrage teilzunehmen. Insgesamt nahmen 609 Twitter-Benutzerinnen und -Benutzer an der Umfrage teil (Rücklauf etwa 20%), davon konnten jedoch nur 306 Fälle ausgewertet werden. Aufgrund dieser geringen Zahl an auswertbaren Fällen (beispielsweise im Vergleich zur bereits erwähnten ARD/ZDF-Onlinestudie mit n=1252), ist zu betonen, dass deshalb nur eine Tendenz aufgezeigt werden kann. Im Folgenden werden stichpunktartiger Überblick ausgewählter Antworten der im Kunst- und Kulturbereich tätigen Twitter-User gegeben werden. Da  sich die Daten von der ersten, im Jahr 2009 durchgeführten Befragung von der zweiten (2010/2011) Befragung nur gering unterscheiden, wurde (anders als 2009) auf eine ausführliche Auswertung verzichtet (die ausführlich Auswertung der Daten von 2009 sind unter http://kulturgezwitscher.de/ergebnisse/zu finden).

Die Nutzung von Twitter von im Kulturbereich tätigen Befragten erfolgte im Jahr 2010 nahezu täglich, 54% der Befragten nutzten Twitter mindestens 5-6 Tage pro Woche, 72% mindestens 2-3 Tage pro Woche und investieren dafür etwa 35 Minuten pro Tag. Weit über die Hälfte der Befragten schrieben zehn oder weniger Tweets pro Woche,  gut 12% verschickten 30 oder mehr Tweets. Passive Twitter-User sind unter den Befragten die Ausnahme (4%). Während nach der ARD/ZDF-Onlinestudie nur etwa ein Drittel der deutschen Internetnutzer es interessant oder sehr interessant finden, aktiv im Internet Beiträge zu verfassen, sind es bei den befragten Twitter-Usern 93%. Die drei mit Abstand wichtigsten Gründe, warum Twitter genutzt wurde, waren unter den Befragten: „Weil ich mich informieren möchte“ (77%), „Weil ich Denkanstöße bekomme“ (59%)  sowie „Weil es Spaß macht“ (63%). Diese drei Punkte unterscheiden sich auch deutlich von den Nutzungsgründen des Internets im Allgemeinen (wie sie in etwa von der ARD/ZDF-Onlinestudie ermittelt wurden). Der hohe „Spaßfaktor“ von Twitter, der unter den Befragten bestätigt wurde, eröffnet die Frage, in wieweit Twitter als „ernsthaftes“ Kommunikationsinstrument gesehen werden kann.

Die drei von den Befragten bevorzugten Inhalte waren „Informationen aus dem Kulturbereich“, „aktuelle Nachrichten“ sowie „Informationen aus Wissenschaft und Forschung“. Im Vergleich zur allgemeinen Internetnutzung ist hier zu bemerken, dass „aktuelle Serviceinformationen“ sowie „Regionalnachrichten“ unter den befragten Twitter-Usern nicht so stark bevorzugt werden.

Eine hohe Zustimmung (80%) gab es zu der Frage, ob Theater, Museen und andere Kultureinrichtungen Twitter für Marketing und Werbung erfolgreich einsetzen können. Im Unterschied dazu stimmten nur knapp über die Hälfte (57%) der Befragten zu, dass Twitter verstärkt Teil des Kulturschaffens werden sollte, wie es beispielsweise die Londoner Royal Opera versuchte. Gut 17% lehnten dies ab, während der Einsatz von Twitter im Kulturmarketing nur von knapp 23% der Befragten abgelehnt wurde.  Im Vergleich zum Vorjahr gab es hier anders als bei den bisher erwähnten Punkten eine deutliche Änderung: im der Befragung im Jahr 2009 stimmten nur 47% der Befragten zu, dass Twitter verstärkt Teil des Kulturschaffens werden sollte, also 10% weniger als 2010.

Immerhin 80%  der Befragten bestätigten, dass sie via Twitter neue Kulturangebote kennen gelernt haben (2009: 64%). 73% waren der Meinung, sie seien durch Twitter besser über kulturelle Ereignisse informiert gewesen (2009: 66%). Fast Dreiviertel der Befragten (73%) gaben an, dass sie durch Twitter neue Kontakte zu anderen Kulturschaffenden gefunden hatten (2009: 66%). Knapp 63% bestätigten, dass durch eigene Tweets andere Kulturschaffende auf sie aufmerksam geworden sind (2009: 57%). Auf die Frage, ob zur Pflege der eigenen kulturellen Interessen Twitter unverzichtbar (!) geworden ist, stimmten über ein Drittel (36%) der Befragten zu (2009: 39%).

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